Grußwort

Im Namen aller Lilienthaler darf ich* Euch kurz über die Ziele, den Bau der Kulturhalle und die Geschichte des Vereins informieren.

Ziele von Lilienthal

Ein Jugendveranstaltungsraum von Jugendlichen für Jugendliche

Das Ziel von Lilienthal ist der Betrieb eines Veranstaltungsraumes, der durch Jugendliche organisiert wird und in dem Jugendliche die Verantwortung für die Planung, Durchführung und Abrechnung von Veranstaltungen sowie für Betrieb, Finanzierung und Instandhaltung der Einrichtung übernehmen. Die Erfahrungen aus den Aktivitäten der einzelnen Vereine bis hin zum U&D-Festival im Sommer '95 und der jahrelangen Vorarbeit für den Jugendveranstaltungsraum haben gezeigt,dass Jugendliche ein ungeheures Engagement entwickeln, wenn man Vertrauen in sie setzt und sie selbst Verantwortung übernehmen können. Wenn sie sich auf diese Weise mit den Dingen, die sie auf die Beine stellen, voll identifizieren und ihr Handeln danach ausrichten, dass sie selber auch dafür gerade stehen müssen, und dürfen, entfalten sie volle Kreativität und Ideenreichtum. Haben Jugendliche diese Möglichkeit nicht und fehlt ihnen zudem das Vertrauen, versandet ihr Engagement. Dies war gerade in der Biberacher Jugendkultur zu erleben.

Jugendliche zeigen erst, was in ihnen steckt, wenn sie merken, dass sie wirklich gebraucht werden, und zwar als die Person, die sie sind, und nicht als das Mittel zum Zweck.

Wir wollten keine Jugendarbeit, bei der Jugendlichen etwas vor die Nase gesetzt wird, das sie dann je nach Bedarf konsumieren können, wir wollen keinen Veranstaltungsraum, der nach dem Konzept eines Club-Urlaubes funktioniert: Man bekommt gesagt, was man tun muss, muss nichts denken, hat tolle Angebote, seinen Spaß und lässt sich vorsetzen, was gefällt. Man kann jeden Moment gehen, weil einem so schnell wieder langweilig wird, wenn die eigene Phantasie, das eigene Verantwortungsbewusstsein und der eigene Einfallsreichtum auf der Strecke bleibt. Wir wollen, dass Jugendliche den Reiz kennen lernen, sich in Aktionen und Projekte einzubringen, die Herausforderung erfahren, ihre Einfälle und Vorstellungen eigenständig in die Tat umsetzen zu können, um dann die Zufriedenheit und Selbstbestätigung zu spüren, dem in sie gesetzten Vertrauen und der übernommenen Verantwortung gerecht geworden zu sein. Kreativität darf für sie nicht einfach nur einfach ein Wort sein, sondern muss erlebt werden können. So erlebt, dass sie immer wieder überrascht sind von den eigenen Fähigkeiten, die sich ihnen erschließen. Denn dann werden die untereinander zusammenfließenden Erlebnisse und Erfahrungen immer wieder Neues möglich machen. Jugendliche sind dazu fähig. Man muss ihnen nur die Gelegenheit bieten, zu zeigen, dass man auf sie zählen kann. Ein großes Augenmerk liegt dabei auf dem sozialen Charakter der Kultureinrichtung, dem gegenseitigen Helfen und Unterstützen, der Zusammen- und Teamarbeit unter Jugendlichen selbst.

DerJugendveranstaltungsraum ist die beste Möglichkeit dazu. Denn dieser Raum ist nicht nur ein lebloser, von oben aufgesetzter und verwalteter Zuschussbetrieb, sondern eine lebendige und sich aktiv heraushebende Wirkungsstätte für den ehrenamtlichen, idealistischen Einsatz junger Menschen. Die Situation der Biberacher Jugendlichen zeigt, dass auch in dieser Stadt endlich und dringlichst davon abgekommen werden muss, zu sagen: "Wir haben Wichtigeres zu tun, als uns um unsere Jugend zu kümmern." Auch hier kann man nicht die Augen davor verschließen, dass Jugendliche, egal in welcher Art und Form sie auftreten, die Zukunft der Gesellschaft darstellen. Und es ist im Interesse aller, der Zukunft eine Basis zu geben und sie möglichst positiv zu gestalten. Dafür steht der Verein Lilienthal.

Die Kulturhalle Abdera steht allen Jugendvereinen, Vereinen, Gruppierungen, Cliquen und Initiativen, aber auch Privatpersonen zur Verfügung. Verwaltet wird der Raum durch den Trägerverein Lilienthal e. V. Dieser schließt außer dem Lücken im Spielplan, um Veranstaltungen, die durch Andere nicht organisiert werden (Lesungen, Kino, politische Foren), durchzuführen, um eine umfassende Programmvielfalt auf hohem, kulturellen Niveau sicherzustellen. Wichtig dabei ist, dass Lilienthal einen netzwerkbildenden Charakter hat. Daher haben Veranstaltungen, die von Jugendvereinen, Jugendgruppen etc, eingebracht werden, grundsätzlich Vorrang.

Das Konzept von Lilienthal unterscheidet zwischen Mitarbeitern und Mitgliedern. So sind engagierte Personen automatisch als Mitarbeiter in Lilienthal vertreten. Mitarbeiter sind all die Jugendlichen und Erwachsenen, die im Rahmen einer Einzelveranstaltung in der Kulturhalle eingebunden und beschäftigt sind. Die Mitgliedschaft im Verein lässtsich dagegen ausschließlich durch regelmäßige, engagierte Mitarbeit erreichen ("vom Mitarbeiter zum Mitglied"). Dies hält den Verein zum einen in der Personenzahl überschaubar und bezieht nur wirklich aktive Personen in die Entscheidungsfindung mit ein, zum anderen garantiert dies die von uns geforderte Vielseitigkeit, Kontinuität und Offenheit gegenüber allen an der Mitarbeit interessierten Gruppen. Aus dem gleichen Grund können nur Einzelpersonen Mitglied werden und keine ganzen Vereine. Dies verhindert die Vorherrschaft und Dominanz einer Gruppierung oder Interessengruppe. Zudem wird dadurch bei Vollversammlungen die Überstimmung kleinerer Gruppen durch große Vereine oder sogenanntes "Stimmvieh" ausgeschlossen.

Über den Verein Lilienthal

Der Verein Lilienthal hat die Anerkennung als gemeinnütziger Verein. Da Lilienthal e. V. zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben wahrnimmt, ist eine starke Identifikation mit dem Projekt nötig. Wir sind der Meinung, dass ein möglichst hoher Nutzungsgrad der Kulturhalle erreicht werden soll. Dazu benötigen wir einen, auch an Mitgliedern starken Verein, mit einer hohen Präsenz an Jugendlichen, die regelmäßig - auch organisatorische - Aufgaben wahrnehmen. Lilienthal organisiert sich in Arbeitskreisen, die verschiedene Aufgabenbereiche abdecken. Die wöchentlich tagende Mitgliederrunde ist Informations- und Entscheidungsgremium zugleich und beschließt im Rahmen der Satzung und den Vorgaben der Jahreshauptversammlung.
Stimmberechtigt sind dabei alle Mitglieder. Der Vorstand des Vereines, der in der Jahreshauptversammlung gewählt wird, besteht in seinem Kern aus einem gleichberechtigten 1. und 2. Vorstand, dem Schriftführer und dem Kassierer. Beisitzer sind die Vorstände des Jahres zuvor sowie Internet- und Sponsoringbeauftragte.

Lilienthal e. V. stellt sich alle 2 Jahre mit seinem Rechenschaftsbericht der Verantwortung gegenüber dem Gemeinderat und regt eine enge Zusammenarbeit an, was durch den hauptamtlichen Mitarbeiter als Vertrauensperson erreicht wird.

Der Bau der Halle

Der Verein hat in die Realisierung und Bau der Jugendkulturhalle rund 7000 ehrenamtliche Stunden eingebracht, angefangen von der Planung, Konzeption bis hin zum letzten Anstrich. Auf die reine Bautätigkeit entfielen ca. 3500 Stunden. Das waren Arbeiten u.a. vom Umbau des Bürogebäudes zum Café Tuvalu, Ausbau der Pflastersteine in der Halle, teilw. Demontage der Hallenwände und Hallendachs, Teilerneuerung von Fassadenteilen, Abbrucharbeiten, Brandsschutzanstrich der Tragkonstruktion in der Halle, Anstrich der Türen und Hallenwände, Brandschutzverkleidungen der Galerie, Trennwand in Ständerbauweise auf der Galerie für den Backstageraum, Fußbodenverlegen auf der Galerie,Sockelleisten anbringen, Leergutlager erstellen, Fliesenlegen und Verfugen an Wand und Boden, im Theken und Küchenbereich sowie in den WC´s und einiges mehr.

Eine kurze Chronologie der 5 Jahre bis das Abdera als solches eröffnet wurde

Dezember 1995: Jungbürgerversammlung in der Stadthalle, erster Kontakt mit Volker Brödenfeld (Jugend Aktiv). Am 12. Januar 1996 fand das erste konkrete Gespräch mit Herrn Brödenfeld statt. In diesem Jahr haben wir den Neubau in der Freiburger Straße geplant. Wir hatten sogar schon ein Angebot eines Bauunternehmers eingeholt, bis der Gemeinderat uns stoppte. 1996 entstand die Gruppe Conspirativ die die Planung und Konzeption unabhängig von der Stadtverwaltung verwirklichen wollte. Die Idee: Ein Jugendveranstaltungsraum von Jugendlichen für Jugendliche. Aus der Gruppe Conspirativ wurde der Verein Lilienthal e. V. und aus dem Neubau auf der Grünen Wiese wurde der Umbau hier in der Breslaustraße, bis dahin hatten wir Konzeptionen und Pläne für die Gebäude ehemalige Zimmerei Paal in der Freiburger Straße, der Schützenkeller, die Schützenkellerhalle und der Schwanenkeller gemacht. Beginn des Umbaus im Café Herbst 1998 und der Baubeginn der Veranstaltungshalle Frühjahr 1999. Nicht mal ein ganzes Jahr reine Bauzeit waren nötig, um aus einer Blechkiste eine Veranstaltungshalle vom feinsten zu Bauen.

Geschichtliche Abhandlung

Die Geschichte des "Jugendkulturhalle Abdera - Lilienthal e. V." begann schon im Herbst 1995 und sollte sich im Laufe der Zeit immer mehr zu einer Berg- und Talfahrt entwickeln. Es können hier nur die wichtigsten Meilensteine der Entwicklung dargestellt werden, ansonsten müssten wir einen Roman darüber verfassen. Interessierte Jugendliche aus Biberach trafen sich nach einer Jungbürgerversammlung, zu der Oberbürgermeister Fettback eingeladen hatte, um über einen Jugendveranstaltungsraum in Biberach zu diskutieren. Nachdem in Biberach von städtischer, kirchlicher und privater Seite so ziemlich jeder Jugendtreff geschlossen und wegsaniert wurde, lief in Biberach relativ wenig bis gar nichts. Aus diesem Grund wollte die Biberacher Jugend ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen. Die ersten Planungen zielten auf einen Neubau auf der "Grünen Wiese" ab. Da dies der Stadt und dem Gemeinderat zu teuer war wurde nach Alternativen gesucht. Wir haben Konzeptionen und Pläne für die Gebäude ehemalige Zimmerei Paal in der Freiburger Straße, der Schützenkeller, die Schützenkellerhalle und der Schwanenkeller gemacht. Alternativen 1-4 wurden zum Teil von uns eingebracht. Alternative 5, ein Erweiterungsbau in der Ehinger Straßedem Jugendhaus Abseits kam von Seiten des Gemeinderats. Kurz vor einer Entscheidung wurde Alternative 6 aus dem Hut gezaubert, die Breslaustraße, das war im Sommer 1997.

Ohne die fast wöchentlichen Sitzungen im Verein Lilienthal, ohne die Demos in der Stadt, im Rathaus, schlicht ohne das Engagement der Biberacher Jugend gäbe es heute weder den Verein Lilienthal noch das Abdera.

Chronologie:

  • Jungbürgerversammlung Ende 1995
  • Erste Zeichnungen und Entwürfe im Januar 1996. Noch in Zusammenarbeit mit Jugend Aktiv
  • Am 16.03.1996 erstes Treffen von Conspiratief und gleichzeitig die Geburt des Jugendvereins Lilienthal (was damals noch niemand wusste!)...
  • Am 17.05.1996 Vereinsgründung Lilienthal e. V. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte am 27.01.1998.
  • Gemeideratsbeschluß am 24.07.1997 für den Jugendveranstaltungsraum in der Breslaustraße.
  • August 1998 das Verwaltungsgericht Sigmaringen bestätigt die Baugenehmigung des Regierungspräsidiums Tübingen vom 20. Februar 1998.
  • 23.10.1998 Eröffnung des Jugendkulturcafés Tuvalu
  • Baubeginn im Frühjahr 1999 an der Kulturhalle Abdera
  • Fertigstellung und Eröffnung am 14.01.2000
* Euer Oliver Lukner